Unsauberkeit und Harnmarkieren bei Katzen – Krankheit oder Verhaltensauffälligkeit?

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Ein häufiger Grund, warum Katzenhalter an ihre Toleranzgrenze kommen ist das Harnmarkieren, bzw. die Unsauberkeit bei ihren Tieren. Handelt es sich hierbei immer um eine Verhaltensauffälligkeit? Hierzu müssen zunächst einmal die biologischen Besonderheiten einer Katze verstanden werden.
Eine Katze hat neben ihrer Körper- und Lautsprache ein weiteres artspezifisches Kommunikations-Repertoire. Dazu gehören neben den Duftdrüsen an den Ballen, zwischen den Zehen, dem Kinn und den Wangen, den Flanken und der Schwanzoberseite auch die Analdrüsen. Ebenso hat der Katzenurin Duftstoffe, mit denen die Katze kommuniziert. Der Urin enthält die ganz persönliche Duftnote jeder einzelnen Katze. An dieser „Visitenkarte“ können andere Katzen z. B. erfahren, ob es sich um ein weibliches oder männliches Tier handelt, wie der Gesundheitsstatus aussieht oder wie alt es ist, ob es dominant ist oder vieles mehr. Es bietet sich damit auch die Möglichkeit, „sich-aus-dem-Weg-zu-gehen“. Im Grunde also eine sehr sinnvolle Art der Verständigung.
Sehr zum Leidwesen mancher Katzenhalter kommt dieses Verhalten jedoch auch in der Wohnung vor. Es muss aber genau unterschieden werden. Handelt es sich nun um wirkliches Harnmarkieren, wie es z. B. bei Dominanzgehabe passieren kann, oder um eine eventuelle Unsauberkeit, hervorgerufen z. B. durch unpassende Toiletten?
Leider ist die Unterscheidung hier nicht immer einfach. Harnmarkieren und Unsauberkeit haben allerdings vollkommen andere Bedeutungen für die Katze und so sind auch die Maßnahmen zur Beseitigung völlig unterschiedlich. Das Wichtigste in so einem Fall ist eine sehr gründliche Anamnese bzw. Ursachenforschung. Es muss zunächst dringend abgeklärt werden, ob ein organischer Befund vorliegt, denn auch Erkrankungen können zur Unsauberkeit bzw. (Stress-)Markieren führen. Als Beispiele können Blasen- oder Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Altersdemenz, Schmerzen im Allgemeinen, etc. benannt werden.
Ein Praxisfall für klassische krankheitsbedingte Unsauberkeit:
EKH-Kater Luggi, 7 Jahre, einer meiner Patienten, urinierte plötzlich nicht mehr wie sonst in die Katzentoilette, sondern rundherum, nach Beobachtung des Frauchens mit typischer Hockstellung und Scharren. Bei der Untersuchung, die ich immer zuerst durchführe, reagierte er bereits bei leichter Palpation des Abdomens sehr aggressiv, was sonst gar nicht seinem Naturell entspricht. Auch die Lymphknoten im Bauchbereich waren leicht vergrößert. Bei der vorgenommenen Urinuntersuchung konnte eindeutig eine Blasenentzündung diagnostiziert werden, die wir relativ schnell in den Griff bekamen. Auch ging er anschließend wieder auf die Katzentoilette, da er diese während seiner Krankheit mit Schmerzen in Verbindung gebracht hatte.
Wenn jedoch eine krankheitsbedingte Ursache gänzlich ausgeschlossen werden kann, geht die Ursachenforschung erst richtig los. Ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Unsauberkeit und Markieren, falls man es beobachten kann, ist die Tatsache, dass die Katze bei Unsauberkeit ihr „Geschäft“, das sie außerhalb der Katzentoilette verrichtet hat, zuscharrt. Außerdem wird sie sich (in den meisten) Fällen beim Harnlassen hinsetzen. Beim Harnmarkieren sucht sich die Katze eine passende, strategisch wichtige Stelle, begutachtet und beriecht diese, trippelt auf der Stelle und markiert diese im Stehen mit steil aufgerichtetem, oft zitterndem Schwanz. Im Anschluss wird diese oft noch berochen.
Was treibt eine Katze nun, ohne erkrankt zu sein, zur Unsauberkeit? Wichtigster Punkt ist die Frage: Warum ist das Klo nicht mehr attraktiv für sie? Gründe hierfür können beispielsweise sein, dass der Besitzer eine neue Einstreu verwendet, gar neuerdings mit Duft. Oder ein „Ortswechsel“ des stillen Örtchens. Oder gibt es eine neue Störquelle, die es der Katze unmöglich macht, ihr Geschäft in Ruhe zu verrichten? Wenn das Klo neuerdings in der Nähe der Waschmaschine steht, und diese in den Schleudergang schaltet, während die Katze auf dem Klo ist, kann man sicher verstehen, warum ein angenehmerer Ort aufgesucht wird… und wird das Klo oft genug gereinigt? Die Liste ließe sich noch weiterführen.
Beim wirklichen Harnmarkieren haben wir es mit einer Katze zu tun, die etwas mitteilen will. Da wie oben bereits beschrieben dies eine natürliche Art der Katzen-Kommunikation ist, bedienen sich sehr oft (unkastrierte) Kater oder auch Kätzinnen dieser Art der Mitteilung. Aber auch in Haushalten mit mehreren Katzen steigt mit der Anzahl der Tiere die Wahrscheinlichkeit, dass eine davon markiert. Sei es, weil sie sich mit vielen anderen ihr Revier teilen muss und die Grenzen „absteckt“ oder weil es sich um eine sensible oder unsichere Katze handelt. Jedem dieser Fälle liegt ein Erregungszustand zugrunde. Auch neue Mitbewohner, Besucher, neue Möbel oder Gerüche animieren Katzen oft zum Markieren, ebenso wie sich ändernde Umstände des täglichen Lebens…
Ebenfalls ist eine Kombination aus Unsauberkeit/Harnmarkieren möglich, was den Therapieansatz häufig erschwert. Leider warten viele betroffene Katzenbesitzer oft zu lange einen Spezialisten aufzusuchen, weil sie meinen, es gibt sich schon wieder. Hier ist zu befürchten, dass sich ggf. das Harnmarkieren zur Gewohnheit etabliert, auch wenn der eigentliche Grund schon längst beseitigt ist.
Zum Schluss bleibt noch zu sagen, dass eine Katze nie ohne Grund ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt. Ein verantwortungsvoller Halter wird reagieren, die Hintergründe erforschen und bei Bedarf einen tierheilkundigen Experten zu Rate ziehen.
Michaela Merline Goll
Tierheilpraktikerin
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