Kastration beim Hund und ihre Auswirkungen

Natürlich spielen bei der Frage, ob ein Hund kastriert werden soll oder nicht, immer seine Lebens- und Haltungsbedingungen, seine Persönlichkeit und die Gefahr ungewollter Fortpflanzung eine Rolle.

Jenseits dieser Faktoren gilt es aber auch auf die medizinischen Folgen einer Kastration ein Augenmerk zu haben. Die Vorteile einer Kastration wurden bislang häufig in den Vordergrund gestellt, wie z.B. bei Hündinnen die Vermeidung von Eierstock-Tumoren, von Gesäugetumoren und von Gebärmutter-Vereiterungen bis hin zu einer psychischen Stabilisierung durch das Fehlen von Hormonschwankungen. Bei Rüden natürlich Hodentumoren, Prostatavergrößerung und Prostatatumoren, Perianaltumoren.

In einer Studie, die im Journal of the American Veterinary Medical Association (2014; 244: 309-319) veröffentlicht wurde, mit dem Thema „Risiko und Erkrankungsbeginn von Krebs und Verhaltensstörungen bei kastrierten Vizslas” greift M. Christine Zink auf die Erhebungsdaten von 2.505 ungarischen Vizslas zurück, , die über die Jahre 1992 – 2008 dokumentiert wurden. Das Ergebnis zeigt, dass bestimmte Krankheiten und Auffälligkeiten fast ausschließlich oder überwiegend bei kastrierten Hunden auftreten.

So wurde z.B. festgestellt, dass für kastrierte Hunde ein erhöhtes Risiko besteht, an bestimmten Krebsarten wie Milztumoren, Mastzelltumoren, Lymphosarkomen oder Kombinationen von Krebstumoren zu erkranken. Gewitterangst und manche Verhaltensstörungen kamen bei kastrierten Tieren häufiger vor. Bezeichnend ist, dass die Störungen und Krebserkrankungen relativ früh auftreten und dass ein früher Zeitpunkt der Kastration ebenfalls eine Rolle spielt.

In einem Beitrag auf seiner Homepage hat Tierarzt Ralph Rückert diese Problematik unter dem Titel „Die Kastration beim Hund – Ein Paradigmenwechsel“ genau beleuchtet.
Er berichtet auch von Problemen des Bewegungssystems wie z.B. Kreuzbandrissen und hormonellen Störungen wie der Unterfunktion der Schilddrüse, die wohl bei kastrierten Hunden häufiger vorkommen.

Diese Erkenntnisse sind für mich sehr plausibel und nachvollziehbar, weil Geschlechtshormone zwar in erster Linie der Fortpflanzung dienen, aber im Körper auch andere Funktionen haben. Fortpflanzungsbereitschaft und Fortpflanzungswillen sind Zeichen von Kraft, Jugendlichkeit, Selbstbewusstsein, letztlich Selbstwert und Gesundheit. Beim Fehlen dieser Hormone reduzieren sich folglich auch diese Attribute und signalisieren den Zellen im Körper Schwäche und machen sie anfällig für Krankheiten, Degenerationen und Entartungen.

Das Argument der Verhinderung von Krankheiten und Tumoren durch eine Kastration kann für mich kein Argument sein, wenn man billigend in Kauf nimmt, die Entstehung anderer Krebsarten und die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten dadurch zu provozierten. Vor allem sind diese sehr bösartigen Entartungen sehr schwer zu behandeln, wohingegen z.B. ein Tumor am Gesäuge leichter therapiert werden kann.

Deshalb sollte die Problematik der Kastration vor dem Eingriff sehr genau besprochen und das „für“ und „wider“ abgewogen werden.

Anita Ruckriegel
Tierheilpraktikerin

Verbandszeitschrift des Internationalen Tierheilpraktikerverbandes e.V.
als Beilage in der Zeitschrift „tierhomöopathie“ | Ausgabe IV/2014